Kein Mangel an Dramatik
Am 1. Weihnachtsfeiertag wurde im Hause von Thomas Diehr die Geburtstagstorte angeschnitten und da lagen auf dem Gabentisch mit Sicherheit auch die einen oder anderen Grüße und Erinnerungen von ehemaliger Rennfahrerkollegen und Mitstreiter. Das Teterower Bahnsport-Multitalent ist vielen Fans auch heute noch durch seinen rasanten Karriereaufstieg in der Wendezeit, aber auch durch das jähe Ende der vielversprechenden Laufbahn in bester Erinnerung.
Nach anfänglichen kleineren sportlichen Erfolgen Mitte der achtziger Jahre kam der große Durchbruch für den damals 21-jährigen Elektromonteur 1987 beim 67. Rennen auf dem legendären Bergringkurs in seiner Heimatstadt. „Diehr in Superform – 60 000 jubelten“, titelte die „Freie Erde“ damals. Der Senkrechtstarter sorgte nicht nur für einen neuen Bahnrekord auf der 1877 m langen Grasbahn sondern sicherte sich auch den „Goldenen Helm“ und die DDR-Meisterschaft. Ein Jahr später beim Pfingstrennen zweifelte mittlerweile kaum einer der 55.000 Zuschauer am erneuten Triumph des Lokalmatadoren. Aber zwei Runden vor Schluss des Finalrennens kam, klar in Führung liegend, das Aus – der Tank war leer. Der Titelverteidiger musste bitteres Lehrgeld bezahlen. Wieder ein Jahr später war der peinliche Kraftstoffmangel vergessen. Erstmals rollten im Jahre 1989 auch wieder westliche Fahrer an die Startbänder. Nach seinem Doppelsieg sowohl beim Bergringpokal als auch dem „Goldenen Helm“ schrieb die Presse:“ Thomas Diehr war diesmal der fliegende Hecht im Karpfenteich der internationalen Konkurrenz aus 11 Ländern“. Im Jahre 1990 beim großen Jubiläumsrennen stellten sich viele der 56 000 Zuschauer erstmals die spannende Frage: „Schlägt der Teterower Jung` auch den Weltmeister Simon Wigg aus England?“ „It`s a Shit“ hatte man im Fahrerlager Wigg rufen hören, als er erfuhr, dass er im Handicaplauf um den berühmten Bergringpokal nicht nur sechs Sekunden hinter dem Hauptfeld sondern auch noch einmal 12 Meter hinter Diehr starten sollte. Das aber war selbst dem einheimischen Sportsmann zu viel. Er bot „Wiggy“ einen Platz an seiner Seite an. Allerdings nur für den Start, nach fünf Runden war Diehr der alleinige Erste. Pfingsten 1991 trafen die beiden Matadore bei starker internationaler Konkurrenz erneut aufeinander. Gerade hatte Simon Wigg die vierte der fünf angesetzten Runden im Goldhelmfinale absolviert nahm der Champion noch am Startberg das Gas weg und winkte voller Freude über seinen vermeintlichen Sieg den Zuschauern zu. Sekundenbruchteile später muss dem Sunnyboy von der Insel fast das Blut in den Adern geronnen sein als Thomas Diehr mit unverminderter Geschwindigkeit an ihm vorbeischoss und der Weltmeister seinen verhängnisvollen Blackout begriff. „Es war ein verrückter Fehler, ich hatte kein Programm und habe auch keine Flagge gesehen. Aber Thomas ist ein super Fahrer, dem ich den Goldhelm von Herzen gönne“, kommentierte Wigg sportlich fair das Kuriosum noch auf dem Siegerpodest. Im Jahre 1992 folgte dann das viel zu frühe Karriereende des Teterower Allrounders. Ausgerechnet im Rennen 13, einem Punktlauf, kam Diehr nach einem suboptimalen Start und einem missglückten Überholmanöver in der ersten Rechtskurve zu Fall und musste mit schweren Verletzungen ins Neubrandenburger Klinikum geflogen werden. „Es war einfach meine Schuld, ich habe mich total in der Geschwindigkeit vertan“, so seine spätere Analyse. Nach 26 Tagen Krankenhausaufenthalt folgten monatelange REHA-Maßnahmen und das frühzeitige Ende der so hoffnungsvollen Rennfahrerlaufbahn. Neben den spektakulären Erfolgen auf dem Bergring stehen für Thomas Diehr noch der Titel des Grasbahn-Vize-Europameisters (1991), die Bronzemedaille der Eisspeedway-Team-Europameisterschaft (1992), die Ostdeutsche Speedway-Meisterschaft (1991 sowie drei Deutsche Vizemeisterschaften auf der Langbahn (1987, 1989, 1990) zu Buche. Es gibt also viel zu erzählen in der Geburtstagsrunde des Jubilars, der seine Erfahrungen auch heute noch beim MC Bergring einbringt.
Text: Hans-Werner Ruge, Fotos: Archiv Ruge














